Der Adelstitel der GELDREICH.

Auf der Seite 232 vom "Württembergisches Adels und Wappenbuch" verfasst von Otto v. Alberti, ist folgendes zu finden:

Zum Inhalt:
Gölderich (Gälderich, Gelderich), Ravensburger Patrizier, mehrfach im Bürgermeisteramt, dem Wappen zufolge zur Familie Humpiß gehörig. Die Chronik des Voland v. Volandseck (im Besitz des Herrn Geh. Hofrat Dr.v.Moll) enthält Nachrichten von 1315 - 1505. Friedrich G. zu Wien besitzt 1501 die Burg Sigmarshofen Gde. Grünkraut OU. Ravensburg; Hans Friedrich G. von und zu Sigm., Bürger zu Ravensburg, nennt sich 1597 "zum Wolfberg", wohl Wolfberg Gde. Schmalegg. Drei Glieder der Familie finden wir in württ. Diensten. S. Dienerbuch. - Wohl zu demselben Geschlecht gehört Frick Göldrich, Bürger zu Ravensburg, der 1330 ein Gut zu Unter-Waldhausen (OU. Ravensburg) verkauft und die neben abgebildete Hausmarke führt. - OU.B. Ravensburg 128. 204. 206.







Dem Satz "dem Wappen zufolge zur Familie Humpiß gehörig" sind wir natürlich nachgegangen. Es ist richtig, dass die ebenfalls sehr einflussreiche Familie Humpiß aus Ravensburg in ihrem Wappen drei Windhunde führte. Von dem Wappen auf dem Humpiß-Haus in der Ravensburger Marktstraße haben wir diese Bilder gemacht:
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Zu erkennen sind ganz deutlich die drei Windhunde, sowie der Hund stehend, auf dem geschlossenen Helm, auch Stechhelm genannt. Was ist anders an diesem Wappen als das des Geldrich? Der Hund auf dem Helm steht, im Gegensatz zu dem der Geldrich, da sitzt der Hund auf dem Helm. Warum beide Familien Windhunde in ihrem Wappen führten ist nicht bekannt.

In dem Namenslexikon von Hans Bahlow steht unter "Hund(t)", Seite 253, folgendes geschrieben:

Hündl(e), Hündgen(s): im MA. beliebter ÜN. von Rittern (Dietrich v. Berlichingen gen. Hundt 1297 Württ., Ritter Henggi Huntpiß 1384 Ravensbg.), = bissiger, gefährlicher Mensch; z.T. wohl auch "Jagdhund"...

Auch ist bekannt, dass ein 1473 vorkommender Hans Geldrich, wohl Sohn eines älteren, selten genannten Hans, ziemlich sicher der Bürgermeister der Jahre 1504 bis 1507 und 1510 - 1521 (mit jährlichen Unterbrechungen) war. Er hatte 1513 Barbara, Tochter des verstorbenen Jos Humpis zur Frau.

Daraus schließen wir, dass zum einen das Gäldrich Wappen von den Humpiß übernommen wurde bzw. dass auch die Gäldrich nicht gerade "brave Menschen" waren denn hierzu gibt es im Buch vom dtv von Heinrich Kramer (Institoris) "Der Hexenhammer" Malleus Maleficarum, einiges zu lesen. Ob jemals die Humpiß oder die Gäldrich Jagdreviere besaßen ist nicht bekannt.





Der Grabstein von Henggi Humpiß, der 1429 starb, hat sich bis heute erhalten und ist in der Ravensburger evangelischen Stadtkirche aufgestellt. Die Steinmetzarbeit zeigt Henggi Humpiß stehend auf dem Wappen, welches drei behalsbandete Windspiele aufzeigt. Links vom Wappen ein geschlossener Helm mit einem ebenfalls behalbandetem stehenden Windspiel.








Siegel der Herren Conrad (Links) und Hans Gäldrich (Rechts) aus den Jahren 1484 und 1532. Weitere Unrkundensiegel aus früheren Jahren werden im Stadtarchiv Ravensburg aufbewahrt.
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Aus dem "OBERBADISCHES GESCHLECHTERBUCH" herausgegeben von der Badischen Historischen Kommission und bearbeitet von J.Kindler von Knobloch auf der Seite 430 kann folgendes entnommen werden:
Geldrich (Goeldrich) von Sigmarshofen.
Ein im oberbadischen Gebiet vielfach vorkommendes Geschlecht der Stadt Ravensburg, aus welchem Kaiser Ferdinand I den Jacob und Konrad G. unter Besserung ihres Wappens durch offenen Helm, (auch Spangenhelm genannt) 1559.13.2. in den Adelsstand erhob und ihnen erlaubte, von ihren Sitzen sich zu nennen und zu schreiben. Also, "von Sigmarshofen".







Auf der linken Seite haben wir das Geldrich Wappen vor der Besserung, also mit geschlossenem Helm (Stechhelm). Auf den Kopien der Adelsakte die wir besitzen, sind die Namen Jacob und Konrad die Geldrich recht deutlich geschrieben. Wie oben auf dieser Seite beschrieben, sitzt der Hund auf dem Helm. Auf der rechten Seite haben wir das Wappen nach der Besserung mit offenem Helm (Spangenhelm). Die Inschrift Geldrich links vom oberen Hund und Bewilligung 13.Feb. Ao-59. auf der rechten Seite des Hundes können Sie leicht entziffern.








Kaiser Ferdinand I,

geboren am 10.03.1503 auf Schloß Alcalá de Henares bei Madrid, gestorben am 25.07.1564 in Wien; Hochgrab im Mittelschiff des St.-Veits-Doms in Prag.

Heiratet am 26.05.1521 in Linz / Donau Anna, Prinzessin von Böhmen und Ungarn.

Eltern: Wladislaw IV., König von Böhmen (Wladislaw II., König von Ungarn) Anna, Gräfin von Foix,

- 17.12.1526 in Preßburg vom westungarischen Adel zum König von Ungarn gewählt.
- 24.02.1527 in Prag im St.-Veits-Dom zum König von Böhmen gekrönt.
- 03.11.1527 durch den ungarischen Reichstag zum König von Ungarn gekrönt.
- 05.01.1531 in Köln zum römisch-deutschen König gewählt.
- 11.01.1531 in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt.
- 12.09.1556 "Römischer Kaiser".
- 15.03.1558 in Frankfurt am Main feierliche Anerkennung Ferdinands I. als "Römischer Kaiser".








Natürlich ist das Wappen nicht schwarz / weiss. Wie es dem Oberbadischem Geschlechterbuch von J.Kindler von Knobloch zu entnehmen ist: In Silber, drei rennende rote Windspiele mit schwarzen Halsbändern übereinander; H.: ein sitzendes Windspiel.
Zu bemerken ist, dass die Hunde im Humpiß Wappen Silber bzw. Schwarz waren.




Dieses Wappen wurde so in allen Wappenbüchern übernommen. Einmal hat es Siebmacher in seinem Wappenbuch verdreht; warum auch immer, wir wissen es nicht. Wie lange das Wappen von der Familie geführt wurde ist nicht genau bekannt. Junker Georg Leopold Gelderich, Seigneur en partie d'Allengeois, Baron am Schloß von Prinz Georges II in Mömpelgart, gestorben am 01.01.1701 hatte das Wappen auf seinen Namen im "Armorial illustré de d'Hozier / Paris ", im Kapitel "série Blasons coloriés" comté de Bourgogne, nochmals eintragen lassen.


Weiterhin wurde das Wappen auf einem Grabstein in Oberkirch / Schwarzwald aufgebracht. Das Grab gehört einer Famillie Geldreich die in USA lebt. Diese Familie Geldreich, vielmehr Frau Brigitta Geltrich/Ludgate mit der wir in Kontakt stehen berichtete uns, dass das Wappen von einer Oberkircher Fa. angefertigt wurde. Das Wappen könnte zum Ende des 19ten. Jahrhunderts entstanden sein.
Außerdem ist Brigitta Geltrich/Ludgate und ihr Bruder Klaus-Peter Geldreich, im Besitz von weiteren Familiennachlässen wie Siegelringe oder ein Fingerring der als Siegel verwendet wurde, bzw.verwendet werden kann.






Desweiteren befindet sich auch noch ein Wappen auf der Grabplatte von Hans Friedrich Gelderich, 1595 Besitzer vom Schloß Wolfsberg, verheiratet mit Margaretha von Schluthaiß aus Konstanz, gestorben am 07.05.1610 . Die Grabplatte wurde in Ermatingen bei der Kirchenrenovation im Jahre 1899 unter dem Taufstein entdeckt, gereinigt und vom damaligen Besitzer des Wolfsberg erworben und links neben dem Eingang zur Kapelle aufgestellt.











Der Adelstitel (Baron) wird heute von keiner Familie Geldreich mehr getragen. Man muß diesen erneut beantragen. Voraussetzung hierfür wäre ein lückenloser Nachweis der Abstammung, zurück bis zum letzten Eintrag. Natürlich wäre auch dies mit hohen Kosten verbunden. Das Wappen aber wird noch getragen.
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